PPZ - Pflegepraxiszentrum Nürnberg | Dittrich Tanja
17539
page-template-default,page,page-id-17539,page-child,parent-pageid-17247,tribe-no-js,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,hide_top_bar_on_mobile_header,qode-theme-ver-16.9,qode-theme-bridge,disabled_footer_top,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.5,vc_responsive

Fragen an Frau Tanja Dittrich

Seit wann sind Sie im PPZ Nürnberg dabei und in welcher Funktion unterstützen Sie das PPZ? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin seit September 2019 dabei. Als gelernte Pflegefachkraft unterstütze ich das PPZ-Nürnberg mit meiner Pflegeerfahrung. Eine meiner Aufgaben im PPZ-Nürnberg ist es, die Produkterprobungen für das NürnbergStift vorzubereiten, unmittelbar nachdem das Team des PPZ-Nürnberg die Vor- und Nachteile kritisch abgewogen und sich dazu entschlossen hat, die Technologie im Realbetrieb zu testen. Mein Tätigkeitsbereich umfasst u. a. eine Erprobungskonzeption mitzugestalten, Einwilligungen und Informationsmaterial zu erstellen, Kontakt zu den Bereichen aufzunehmen und diese in die Vorbereitungen zu involvieren und zu motivieren. Nach der Mitarbeiterschulung zum jeweiligen Produkt stehe ich den Anwendenden zudem als Ansprechpartnerin zur Seite und begleite sie während der Erprobungsdauer. Man darf hierbei nicht aus den Augen verlieren, dass eine Implementierung eines neuen Produktes erst einmal ein Mehraufwand bedeutet. 

 

 

Was treibt Sie an, was motiviert Sie an der Arbeit im PPZ?

Bereits während meiner Ausbildung zur Pflegefachkraft habe ich mir oft gewünscht, Hilfsmittel zur Verfügung zu haben, welche handlich, schnell einsetzbar und wirkliche Unterstützung bieten. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich nicht erst auf Station nach einem Hebelifter suchen muss oder eine weitere Pflegeperson benötige, um den Hebelifter schieben zu können, ohne Angst haben zu müssen, dass dem zu transferierenden Pflegebedürftigen schwindlig wird. Ebenso taten mir die Bewohnenden nachts leid, die ich für eine Lagerung wecken musste. Oftmals lagen sie im Anschluss wach und konnten nicht mehr einschlafen. Hier habe ich mir ein System herbeigesehnt, welches die Lagerung automatisch und dennoch sanft übernimmt. Tatsächlich war genauso ein System die erste Erprobung, welche ich belgeiten durfte. Alles in Allem kann ich sagen, dass  mich folgender Gedanke motiviert: Technologie als Mehrwert für Mitarbeitende und Pflegebedürftige in Pflegeeinrichtungen!    

 

Was ist in Ihren Augen der größte Mehrwert, wenn es um den Einsatz von Technologien in der Pflege geht?

Den größten Mehrwert sehe ich in der Unterstützung der Pflegebedürftigen und der Mitarbeitenden in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Pflegetätigkeit ist nicht immer leicht und birgt oft große Herausforderungen für alle Beteiligten. Wenn uns Technologie die Möglichkeit gibt, Herausforderungen zu meistern und gleichzeitig qualitativ hochwertige Zeit mit den Bewohnenden verbringen zu können, ist das der Mehrwert, den sich die Pflege wünschen kann. Denn Pflege ist und bleibt ein sozialer Beruf, bei dem es darum geht, Menschen zu unterstützen, zu achten und zu akzeptieren, wie sie sind. Gleichzeitig aber sich selbst nicht zu vergessen, eigene Grenzen zu erkennen und wahrzunehmen.  

 

An welcher Produkterprobung/ an was arbeiten Sie gerade?

Momentan beschäftige ich mich mit verschiedenen Technologien. Zum einen begleite ich die Erprobung eines mobilen Notruf- und Sicherheitssystem, zum anderen bereite ich zusammen mit den anderen Praxispartnern die Erprobung eines Klangkissens vor. Auch beschäftige ich mich mit dem Thema „Sprachassistent im Pflegeheim“ und freue mich auf unser nächstes großes Themenfeld „Exoskelett/Musclesuite“. 

 

 

Wenn Sie Gesundheitsminister:in wären, welche Maßnahme würden Sie im Sinne der Pflege als Erstes umsetzen

Eine schwierige Frage, denn die pflegerische Versorgung braucht in mindestens drei Bereichen Unterstützung. Zum einen sind das die Mitarbeitenden und die Pflegebedürftigen, zum anderen die Einrichtungen mit den administrativen Aufgaben. Nehme ich die Pflegebedürftigen, so würde ich ermöglichen wollen, dass sich jeder – ohne viele umständliche Anträge stellen zu müssen – ein Heimplatz in seiner Region leisten kann. Den Mitarbeitenden würde ich weniger Bürokratie und einfachere Abstimmungswege mit weiteren Stakeholdern, wie Ärzten oder Wundmanagern wünschen und zu guter Letzt die Einrichtungen. Vor allem im Bereich der stationären Langzeitpflege würde ich für mehr Unterstützung bei der Refinanzierung von Hilfsmitteln sorgen. Es gibt bereits so viele großartige Technologien, wie z. B. das erwähnte Lagerungssystem, doch haben Einrichtungen oftmals nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung, um die Technologien im Regelbetrieb einzusetzen. 

 

 

Hand auf’s Herz: Welche Rolle spielt die Anwender:innen-Akzeptanz und die User Experience von neuen Technologien heute und in Zukunft?

Mitunter die größte Rolle! In den ersten Jahren meiner beruflichen Laufbahn habe ich unzählige Male den absurden Satz „Das haben wir schon immer so gemacht!“ gehört. Es gibt bereits sehr viele Hilfsmittel, welche wir vielleicht schon gar nicht mehr als solche sehen (zum Beispiel die Rollstuhlwaage) die aber dennoch einen Fortschritt in der Pflege ermöglichen. Was wäre gewesen, wenn o. g. Satz bei der Entwicklung/ Implementierung der Rollstuhlwaage überhandgenommen hätte? Würden wir dann immobile Pflegebedürftige nur unter sehr großer Anstrengung für alle Beteiligten und mit mindestens zwei Pflegepersonen wiegen können?  

 

 

 

Vielen Dank